WIR DANKEN

 

Danksagung der Arbeitsgruppe "Gemeinschaftsaktion Denkmal Friedliche Revolution 7. Oktober 1989 in Plauen"

 

 

SCHIRMHERR:

 

Ministerpräsident des
Freistaates Sachsen -
Stanislaw Tillich

> Mehr dazu:
Festrede zur Einweihung
des Denkmals für die
Friedliche Revolution
(Wende-Denkmal)

 

 

FINANZIERUNG:

 

Kosten für den Bau des Wende-Denkmals:

ca. 60.000 Euro

60.008,24 Euro eingegangene Spenden

> Mehr dazu: Spendenliste

Das Projekt wurde von

Freistaat Sachsender Sächsischen Staatsregierung unterstützt.

> Mehr dazu...

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"Plauen war die erste ostdeutsche Stadt,

die einen geeinten Willen zur Wende ausdrückte;

sie war die einzige, in der der ostdeutsche Umbruch

von Anfang an eine Sache der Massen war."
John Connelly, Historiker - University of California, Berkeley - aus:
"Moment of Revolution: Plauen (Vogtland), October 7, 1989"


Der Moment der Revolution - Plauen, 7.10.1989 

Gedenktafel Theaterplatz PlauenAm Nachmittag des 07. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der ehemaligen DDR, fand in Plauen im Vogtland eine Großdemonstration von herausragender Bedeutung statt. Bis zu 20.000 Menschen[1], mehr als ein Viertel der damaligen Plauener Bevölkerung, war aus eigenem Antrieb auf die Straße gegangen, um dort gegen die herrschenden Verhältnisse zu protestieren. Die teils schwer bewaffneten Sicherheitskräfte konnten die Massenkundgebung auch mit Gewalt nicht mehr auflösen. "Es war eindeutig der erste Sieg des Jahres 1989 über die Staatsmacht", so lautet das Urteil des Historikers Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk.[2] Seinen Recherchen zufolge wurde Plauen "nur deshalb (...) nicht zur 'Heldenstadt' erklärt, weil die Tragweite der Ereignisse aus der Provinz ohne westliche Fernsehkameras nicht bekannt wurde."[3] - "Das eigentliche Erdbeben fand in Plauen statt", so das Fazit des Geschichtswissenschaftlers.[4]

In der nachfolgenden Foto-Dokumentation werden die dramatischen Vorgänge während der Protestkundgebung, die im Grunde als der historische Wendepunkt im Jahre 1989 anzusehen ist, in Bildern wiedergegeben. Der amerikanische Historiker Professor John Connelly hat dieses Ereignis bereits im Jahr 1990 als den "Moment der Revolution" bezeichnet.[5] (da)


Bild (da): Gedenktafel auf dem Plauener Theaterplatz

 

Foto-Dokumentation

(Klicken Sie auf ein Bild, um es zu vergrößern.)

Bild 1:
Ausgelöst wird die Demonstration am 07.10.1989 u.a. durch maschinengeschriebene Flugblätter der "Initiative zur demokratischen Umgestaltung der Gesellschaft". Die Bürger der Stadt Plauen werden aufgerufen, sich um 15.00 Uhr zu einer "Protestdemonstration" im Zentrum der Stadt einzufinden. Nur wenige Menschen bekommen die Flugblätter zu Gesicht, da es hiervon nur eine sehr geringe Auflage von 180 Exemplaren gibt. Grund dafür ist, dass die Blätter mit einer  Schreibmaschine unter Verwendung von Durchschlagpapier hergestellt und vielfach getippt werden mussten.
Bild 1
Bild 2:
Trotzdem führt die einsetzende Mund-zu-Mund-Propaganda dazu, dass sich an diesem Samstagnachmittag, gegen 14.50 Uhr, bereits eine größere Menschenmenge auf dem Theaterplatz und am "Tunnel" (ehemals "Otto-Grotewohl-Platz") im Stadtzentrum versammelt.
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Bild 3:
Immer mehr Menschen strömen zum "Tunnel" und lassen sich auch vom einsetzenden Regen nicht beirren. Gespannt harren sie der Dinge, die da kommen werden.
Bild 3
Bild 4:
In der Zwischenzeit ist die Staatsmacht aktiv geworden und hat Einheiten der Bereitschaftspolizei mit Mannschaftswagen in die Innenstadt bringen lassen.
Bild 4
Bild 5:
Aufgabe der Bereitschaftspolizei ist es u.a., den Rathauseingang vor Demonstranten zu schützen und sich zu einem Sperrgürtel zwischen Rathaus und der Menschenmenge am "Tunnel" zu formieren. Im Foto zu sehen ist eine Polizeieinheit auf dem Weg zum Rathaus.
Bild 5
Bild 6:
Der Sperrgürtel der Polizei (Hintergrund - Mitte) wird zwischen Rathaus und "Tunnel", etwas oberhalb des Nonnenturms, plaziert.
Bild 6
Bild 7:
Die Demonstrationsteilnehmer lassen sich durch die Sicherheitskräfte nicht einschüchtern. Daraufhin erhält die Feuerwehr gegen 15.30 Uhr den Befehl, mit zwei Tanklöschwagen, die zu Wasserwerfern umgerüstet worden sind, den "Tunnel" zu räumen. Auf dem Bild sieht man einen Wasserwerfer in Startposition (Hintergrund - Mitte) zwischen Rathaus und Lutherkirche, der von den Menschen aufmerksam beobachtet wird.
Bild 7
Bild 8:
Das Foto zeigt einen der beiden Wasserwerfer (Hintergrund - Mitte) bei dem Versuch, die Demonstranten mit dem  kalten Wasserstrahl aus der Löschkanone auseinander zu treiben.
Bild 8

Bild 9:

Nachdem sich die Menschen vom ersten Schock erholt haben, wird der Wasserwerfer von allen Seiten mit Steinen und Flaschen regelrecht bombardiert. Der Feuerwehrmann an der Löschkanone rettet sich gerade noch rechtzeitig in das Innere des Tanklöschwagens. Mit zerbrochenen Scheiben und schwer beschädigtem Führerhaus versucht der Fahrer der aufgebrachten Menge zu entkommen und fährt das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit zurück in Richtung Rathaus.

Bild 9
Bild 10:
Die dramatischen Szenen am Tunnel werden von den Demonstrationsteilnehmern genau beobachtet, die sich zwischen Lutherkirche und Rathaus aufhalten.
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Bild 11:
Kurz nachdem beide Wasserwerfer den "Tunnel" verlassen haben, verbünden sich die durchnässten Menschen und rücken wütend zum Rathauseingang vor. Die Volkspolizei muss ihre Sperrkette oberhalb des Nonnenturms zurückziehen, da diese andernfalls von den Massen überrannt worden wäre.
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Bild 12:
Der Eingangsbereich des Rathauses (links im Bild), an dem die Polizisten nun Stellung bezogen haben, wird von der Menge belagert. Kurz darauf rückt eine neue Einheit von Bereitschaftspolizisten an. Durch den brutalen Einsatz von Schlagstöcken gelingt es ihnen, den Rathauseingang von Demonstranten zu räumen und auf ganzer Linie abzuriegeln.
Bild 12
Bild 13:
Gegen 16.00 Uhr beginnt ein Polizeihubschrauber tief über der Menschenmenge zu kreisen. Dies führt zu einer weiteren Zuspitzung der Situation. Viele Demonstranten fühlen sich provoziert, andere vermuten, dass sie aus dem Hubschrauber von der Stasi fotografiert und gefilmt werden. Die Situation droht, zu eskalieren.
Bild 13
Bild 14:
Gegen 16.45 Uhr formieren sich die nunmehr etwa 15.000 Menschen zu einem spontanen Demonstrationszug. Sie bewegen sich dabei weg von den Sicherheitskräften, die das Areal um das Rathaus abriegeln, und marschieren über die Bahnhofstraße zur Friedensstraße (hier im Bild). An der Spitze des Zuges wird ein selbstgemaltes Stofftransparent mit der Aufschrift "Wir brauchen Reformen" getragen. Immer wieder ertönen Sprechchöre, wie "Freiheit", "Stasi raus", "Schließt euch an, wir brauchen jeden Mann", "Wir bleiben hier" oder "Gorbi".
Bild 14
Bild 15:
Junge Männer haben in Windeseile ein Stofftransparent mit Forderungen wie "Freie Wahlen" oder "Reisefreiheit" bemalt und versuchen, dieses an markanter Stelle anzubringen.
Bild 15
Bild 16:
Der Protestzug trifft wieder am Plauener Rathaus ein. Die Sperrkette der Polizei im Eingangsbereich wurde zwischenzeitlich durch Einheiten der DDR-Kampfgruppen verstärkt, die mit Maschinenpistolen bewaffnet sind. Die mittlerweile rund 20.000 Demonstranten sind aufs äußerste erregt und fordern den Oberbürgermeister zu einer Stellungnahme auf. Immer wieder erklingen Sprechchöre, wie "Keine Gewalt". Einige der Demonstranten stellen vor den bewaffneten Sicherheitskräften brennende Kerzen auf  (Bildmitte). Dem Plauener Superintendenten Thomas Küttler gelingt es, im Rathaus mit dem OB zu sprechen und einen Abzug des Hubschraubers und der Kampfgruppen zu erreichen. Mit einem eigens herbeigeschafften Megaphon beruhigt Superintendent Küttler daraufhin die Menschenmenge. Unterstützt wird er dabei vom Pfarrer der Lutherkirche, Andreas Weber. Gegen 18.00 Uhr lässt Pfarrer Weber die Glocken der Lutherkirche läuten. Daraufhin löst sich die Kundgebung allmählich auf. Die Menschen begeben sich mit Stolz über das Erreichte auf den Heimweg.
Bild 16
Nachspiel in der Nacht vom 07. zum 08.10.1989:
Einige Demonstranten wollen den Ort des Geschehens jedoch noch nicht verlassen. Dies hat für manche von ihnen ernste Folgen.  In den Abend- und Nachtstunden kommt es zu Festnahmen und brutalen Verhören durch die DDR-Sicherheitskräfte. Selbst unbeteiligte Passanten, die zufällig im Stadtzentrum unterwegs sind, werden verhaftet. Manche von ihnen zwingt man, die Nacht unter freiem Himmel in einem Innenhof des Rathauses zu verbringen. Zum Teil müssen sie dort mit gespreizten Beinen an der Wand stehen und werden mit Gummiknüppeln geschlagen oder gar angekettet.
Weitere Samstagsdemonstrationen folgen:
Nach der Großdemonstration am 07. Oktober 1989, mit der erstmals ein Sieg über die Staatsmacht der DDR errungen wurde, finden  im Verlauf der Friedlichen Revolution weitere Samstagsdemonstrationen in Plauen statt. Am 17. März 1990, dem Vortag der ersten freien Wahlen in der ehemaligen DDR, kommt es zur 22. und letzten Demonstration dieser Art in der Vogtland-Metropole.

(da)

 

Quellen:

  1. Sächsische Staatskanzlei (Hrsg.): "1989 - Chronologie der Wende in Sachsen", 2. Auflage, Dresden, 2005, Seite 39   > Zur Quelle...
  2. "Die unbemerkten Helden" / von Stefan Berg. In: Der Spiegel 30/2009 vom 20.07.2009, Seite 45   > Zur Quelle in der Rubrik "Presseschau"...
  3. Kowalczuk, Ilko-Sascha: "Endspiel - Die Revolution von 1989 in der DDR", 2. durchgesehene Auflage, C.H.Beck, München, 2009, ISBN 978-3-406-58357-5, Seite 398
  4. Lesart Spezial zum Thema "20 Jahre nach dem Fall der Mauer": Susanne Schädlich und Ilko-Sascha Kowalczuk stellen ihre Bücher vor. / von Florian Felix Weyh. In: Deutschlandradio Kultur, 12.04.2009, 12.30 Uhr   > Zur Quelle in der Rubrik "Presseschau"...
  5. "Moment of Revolution: Plauen (Vogtland), October 7, 1989" / von John Connelly. In: German Politics & Society, No. 20, Sommer 1990, Seiten 71-89   > Zur Quelle...


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